Drei Abende lang wurde der Konzertsaal zum Salon. Mit «Im europäischen Salon» eröffnete Abendbier zum Klavier im Oktober 2026 die neue Saison. Der französische Geiger David Castro-Balbi und Marian Rosenfeld am Flügel spielten am 7. Oktober bei Musik Hug in Zürich, am 8. Oktober im Dorfmattsaal Rotkreuz und am 9. Oktober im Pfarreizentrum St. Josef in Schlieren. Der Untertitel des Programms versprach «Leise Kunst und grosser Auftritt», und das Publikum durfte beides erleben.
Im europäischen Salon: Musik für die Nähe
Im 19. Jahrhundert war der Salon ein Ort, an dem Musik und Gespräch zusammenfanden. Oft zogen dort Frauen als Salonnières die Fäden und bestimmten, wer eingeladen und was gespielt wurde. Genau diese Nähe zwischen Musiker:innen und Publikum stand im Mittelpunkt des Programms.
Den Anfang machte Ludwig van Beethoven mit seiner Violinsonate D-Dur op. 12 Nr. 1, geschrieben für einen kleinen, kunstsinnigen Kreis. Clara Schumanns Drei Romanzen op. 22 pendelten zwischen «mit zartem Vortrage» und «leidenschaftlich schnell». Mit Fritz Kreislers Miniaturen Liebesleid, Schön Rosmarin und Liebesfreud zog Wiener Charme in den Saal.
Zum Schluss erklang Maurice Ravels «Tzigane». Das Werk geht auf eine Pariser Soirée zurück, bei der die Geigerin Jelly d’Arányi dem Komponisten bis fünf Uhr morgens Melodien aus ihrer ungarischen Heimat vorspielte. In knapp zehn Minuten zeigt die Violine darin alles, was sie kann.
Geige und Klavier im europäischen Salon
Erst am Montag vor dem ersten Konzert probten David Castro-Balbi und Marian Rosenfeld zum ersten Mal gemeinsam. Auf der Bühne war davon nichts zu spüren. Die beiden verstanden sich musikalisch auf Anhieb, und schon zwei Tage später feierte das Programm am neuen Standort von Musik Hug im Zentrum von Zürich Premiere.
Besonders beeindruckt war das Publikum vom Zusammenspiel von Geiger und Pianistin. Die beiden verschmolzen praktisch, atmeten und schwangen gleichzeitig, so dass die Musik wie aus einem Guss kam.
David Castro-Balbi ist Preisträger internationaler Wettbewerbe, darunter der Louis-Spohr-Wettbewerb in Weimar, und war Stimmführer der zweiten Violinen im Gewandhausorchester Leipzig. Heute leitet er unter anderem die Schweizer CHAARTS Chamber Artists von der Violine aus.
Im europäischen Salon aus Sicht des Publikums
Die einen waren sprachlos, die anderen sprudelten nur so vor Begeisterung. Darum lassen wir an dieser Stelle das Publikum zu Wort kommen.
«Prickelnd, faszinierend, bewegend, sensationell»
Das waren die Worte, die immer wieder erklangen.
David Castro-Balbi hypnotisierte die Menschen vom ersten Ton an. Zusammen mit Marian Rosenfeld schuf er «überwältigende Klangbilder». Die beiden «kreierten eine Atmosphäre», die jede und jeden sofort mitriss. Zarte, hingehauchte Momente und furiose Passagen, die an Virtuosität nicht zu überbieten waren, sorgten für intensive «Abwechslung».
Nicht selten konnte man nicht anders, als einfach schon nach dem ersten Satz zu klatschen! Und immer wieder gab es auch Augenwasser …
Nach Standing Ovations schickte eine zärtliche Zugabe die ergriffenen Zuhörenden in den gemeinsamen Apéro. Hier wurden die Musiker:innen begeistert ausgefragt und bewundert, und noch lange wurde angeregt geplaudert.
Und wenn dieser Abend ein Getränk gewesen wäre?
«Natürlich Champagner!»
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